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Marketing-Automatisierung mit HubSpot: Workflows, Sequenzen und Lead-Nurturing

Workflows automatisieren Prozesse, Sequenzen helfen einzelnen Verkäufern. Welches Tool wann – plus eine Nurturing-Strecke in 6 Schritten aus der Praxis.

Joshua Kresse
Joshua Kresse
Founder · Pipewave

Marketing-Automatisierung mit HubSpot: Workflows, Sequenzen und Lead-Nurturing

Jemand lädt um 22:40 Uhr euer Whitepaper herunter. Der Kontakt landet in HubSpot, bekommt die Datei per Mail, und dann passiert: nichts. Zwei Wochen später sieht jemand aus dem Vertrieb den Namen in einer Liste, kann sich an nichts erinnern und ruft an. Der Kontakt weiß auch nicht mehr, was er da runtergeladen hat.

Das ist der Normalzustand in ziemlich vielen HubSpot-Portalen, die ich mir anschaue. Nicht weil das Tool fehlt. Das Tool ist da und bezahlt. Es steht nur niemand dahinter, der entschieden hat, was zwischen Download und Anruf passieren soll.

Genau darum geht es hier: Wie du in HubSpot eine Marketing-Automatisierung baust, die diese Lücke schließt. Vorher musst du allerdings eine Frage klären, an der die meisten hängenbleiben.

Workflow oder Sequenz? Daran hängt alles Weitere

HubSpot hat zwei Werkzeuge, die auf den ersten Blick dasselbe tun: automatisch E-Mails verschicken. Sie sind aber für völlig verschiedene Situationen gebaut, und wer das verwechselt, baut monatelang am falschen Ding.

WorkflowSequenz
Gehört zuMarketing Hub / Operations HubSales Hub
Läuft fürviele Kontakte gleichzeitigeinen Kontakt, den ein Verkäufer eingeschrieben hat
Startetautomatisch bei einem Ereignismanuell durch die Person im Vertrieb
Mails kommen voneurer Marketing-Absenderadressedem persönlichen Postfach des Verkäufers
Bricht abnach deinen Bedingungenwenn der Kontakt antwortet

Der Unterschied ist nicht technisch, er ist inhaltlich. Ein Workflow ist ein Prozess: Er läuft für 500 Kontakte gleich ab, ohne dass jemand ihn anstößt. Eine Sequenz ist eine Gedächtnisstütze für einen einzelnen Verkäufer, der bei einem konkreten Menschen nicht vergessen will nachzufassen.

Wenn du also nach Marketing-Automatisierung suchst, meinst du fast immer Workflows. Sequenzen sind ein Vertriebswerkzeug, das zufällig auch Mails verschickt.

Nebenbei: Es gibt noch eine dritte Kategorie, die hier oft reingemischt wird – die interne Prozess-Automatisierung. Lead-Routing, Datenhygiene, Aufgaben verteilen. Das hat mit Marketing wenig zu tun und ich habe es getrennt in HubSpot-Prozesse automatisieren aufgeschrieben. Hier bleibe ich auf der Marketing-Seite.

Eine Nurturing-Strecke, Schritt für Schritt

Bleiben wir bei dem Whitepaper-Download von oben. So würde ich die Strecke bauen.

Schritt 1: Den Auslöser scharf stellen. Nicht "Kontakt existiert" und nicht "Kontakt ist in Liste X". Der Auslöser ist das Formular: Whitepaper-Download eingereicht. Alles andere ist zu unscharf und du hast später keine Ahnung mehr, warum jemand in der Strecke steckt.

Schritt 2: Sofort liefern, aber nicht verkaufen. Die erste Mail geht binnen Minuten raus und enthält genau eine Sache: die Datei. Keine Firmengeschichte, kein Call-to-Action für ein Erstgespräch. Jemand, der um 22:40 Uhr ein PDF will, will um 22:40 Uhr ein PDF.

Schritt 3: Warten. Wirklich warten. Drei bis vier Tage. Das fühlt sich lang an, wenn man auf den Workflow schaut, ist aber aus Sicht des Empfängers ein Wimpernschlag. Die meisten Strecken, die ich reparieren soll, haben ihr Problem hier: Mail zwei kommt nach zwölf Stunden und wirkt aufdringlich.

Schritt 4: Verzweigen nach Verhalten, nicht nach Zeit. Jetzt kommt der Teil, der eine Strecke von einem Newsletter unterscheidet. Hat die Person die erste Mail geöffnet und geklickt? Dann bekommt sie etwas Weiterführendes zum selben Thema. Hat sie nicht geöffnet? Dann bekommt sie dieselbe Datei nochmal mit einer anderen Betreffzeile. Zwei Zweige, unterschiedliche Inhalte.

Schritt 5: Ein Signal setzen, das der Vertrieb sieht. Irgendwo muss die Strecke aufhören, nett zu sein. Bei mir ist das meistens: zweiter Klick auf einen inhaltlichen Link oder Besuch der Preisseite. Dann setzt der Workflow eine Eigenschaft, legt eine Aufgabe an und benachrichtigt die zuständige Person. Nicht der Workflow verkauft – ein Mensch verkauft, der Workflow sagt ihm nur wann.

Schritt 6: Den Ausstieg definieren. Was passiert, wenn jemand mittendrin ein Erstgespräch bucht? Er muss sofort raus aus der Strecke. Sonst bekommt dein neuer Kunde am Dienstag nach dem Termin noch die Mail "Vielleicht interessiert dich unser Whitepaper?". Das ist peinlich und passiert ständig, weil die Abbruchbedingung vergessen wurde.

Sechs Schritte, und der Kontakt von oben bekommt sein PDF sofort, eine passende zweite Mail nach vier Tagen und der Vertrieb einen Anruf-Anlass mit Kontext statt einem Namen in einer Liste.

Rechnet sich das? Eine Beispielrechnung

Konkrete Zahlen sind ehrlicher als Spannen, deshalb hier eine durchgerechnete Annahme. Wichtig: Das ist eine konstruierte Rechnung zur Veranschaulichung, kein Angebot. Deine Zahlen sehen anders aus.

Angenommen, ihr sammelt 60 Downloads im Monat. Ohne Strecke ruft der Vertrieb bei den Namen an, die zufällig auffallen – sagen wir bei einem Viertel davon, und meistens zu spät. Mit der Strecke oben qualifizieren sich die Kontakte selbst: Die Mehrheit reagiert nie, ein Teil liest weiter, und eine kleine Gruppe klickt zweimal oder schaut sich die Preise an. Genau diese Gruppe landet als Aufgabe beim Vertrieb.

Der Gewinn ist nicht "mehr Leads". Es sind dieselben 60. Der Gewinn ist, dass jemand mit einem Anlass anruft statt auf Verdacht, und dass die anderen nicht verbrannt werden. Bei uns steht dafür die Faustregel Speed-to-Lead unter 5 Minuten – ein Signal, das eine Woche alt ist, ist kein Signal mehr.

Der Aufwand: Das erste Set an Workflows steht in ein bis zwei Wochen. Nicht, weil das Klicken so lange dauert, sondern weil die Entscheidungen dauern – welche Zweige, welche Schwelle, wer bekommt die Aufgabe.

Lead Scoring: später, nicht zuerst

Lead Scoring kommt in fast jedem Gespräch auf, meistens zu früh. Die Idee ist simpel: Jede Handlung gibt Punkte, ab einer Schwelle ist der Kontakt "heiß".

Das funktioniert, wenn du genug Daten hast, um zu wissen, welche Handlung wirklich etwas bedeutet. Am Anfang hast du die nicht. Dann vergibst du Punkte nach Bauchgefühl, und ein Score von 47 heißt genau gar nichts – er sieht nur nach Wissenschaft aus.

Mein Rat: Fang mit einer harten Regel an, so wie in Schritt 5 oben. Zwei Klicks plus Preisseite. Wenn das ein halbes Jahr läuft und du siehst, welche Kontakte tatsächlich gekauft haben, hast du eine Grundlage für ein Scoring, das nicht geraten ist. Voraussetzung ist ohnehin, dass deine Kontaktdaten stimmen – Segmentierung auf halb gefüllten Feldern ist Segmentierung nach Zufall. Wie wir das lösen, steht unter KI-Datenanreicherung.

Die Fehler, die ich am häufigsten sehe

Die Strecke ohne Ausgang. Schon erwähnt, aber es ist mit Abstand Nummer eins. Kunden, die noch Werbemails für das bekommen, was sie gerade gekauft haben.

Der Workflow, der bei 20 funktioniert und bei 200 nicht. Eine Strecke, die auf einer manuell gepflegten Liste basiert, läuft prima, solange jemand die Liste pflegt. Bei 200 Kontakten pflegt sie niemand mehr.

Alles in einen Workflow. Ich sehe Monster mit vierzig Zweigen, die keiner mehr anfassen will, weil niemand weiß, was passiert, wenn man Zweig 19 ändert. Lieber vier kleine Workflows mit je einem Zweck.

Die Lizenz als Ausrede. HubSpot Professional kostet 890 $ im Monat, und wenn die Automatisierung nicht läuft, liegt das selten am Plan. Umgekehrt gilt aber auch: Manches kann HubSpot nativ einfach nicht – Schleifen, echte Rechnerei über Objekte hinweg, Daten aus einem externen System ziehen. Dafür hängen wir n8n daneben, das self-hosted bei rund 7 € im Monat liegt. Wie sich die Tools unterscheiden, habe ich in n8n vs. Zapier vs. Make auseinandergenommen, und wie so eine Kombination in echt aussieht, zeigt die Case Study zu n8n-HubSpot-Workflows.


Wenn dein HubSpot bezahlt ist, aber zwischen Download und Anruf nichts passiert, ist das kein Tool-Problem. Es ist eine offene Entscheidung. Ich schaue mir dein Portal in einem kostenlosen Erstgespräch an, etwa 15 Minuten, und sage dir ehrlich, ob sich der Aufwand lohnt oder ob du mit zwei simplen Workflows schon durch bist.