
Claude Cowork Plugins: Mein Setup als Solo-Founder
Anthropic hat gestern Claude Cowork Plugins gelauncht. Ich hab mir direkt eins gebaut, das meinen kompletten Workflow als Solo-Founder abbildet. So sieht das aus.
Claude Cowork Plugins: Mein Setup als Solo-Founder
Gestern hat Anthropic Claude Cowork Plugins veröffentlicht. Ich hab den Abend damit verbracht, mir eins zu bauen. Heute Morgen hat es mir mein erstes Briefing gegeben. Und ich glaube, ich gehe ab jetzt anders an meinen Arbeitstag ran.
Aber von vorne.
Worum geht's?
Ein Claude Cowork Plugin ist eine Sammlung von Skills. Ein Skill ist eine Anweisung in Markdown, die Claude sagt, wie es eine bestimmte Aufgabe erledigen soll. Dazu kommt Zugriff auf externe Tools über sogenannte MCP-Connectors, also Schnittstellen zu deinem Projektmanagement, CRM oder Kalender.
Kein Code. Markdown-Dateien und eine YAML-Konfiguration. Wer Prompts schreiben kann, kann ein Plugin bauen.
Was mich dazu gebracht hat
Ich bin Solo-Founder. Ich mache alles selbst: Kundenarbeit, Rechnungen, Content, Sales. Claude nutze ich seit über zwei Jahren täglich. Für E-Mails, Proposals, Blog-Artikel, Code.
Das Problem war immer dasselbe: Jede Konversation fängt bei Null an. Claude kennt meine Kunden nicht, weiß nichts über meine Projekte, hat keinen Zugriff auf meine Tasks oder Rechnungen. Also erkläre ich jedes Mal wieder, wer ich bin und was ich brauche. Das kostet Zeit und nervt.
Was ich gebaut habe
Ich hab ein Plugin mit rund zwölf Skills geschrieben. Die wichtigsten:
Morning Briefing. Ich tippe /morning-briefing, und Claude zieht sich meine heutigen Tasks, offene Rechnungen, geloggte Stunden und meinen Monatsumsatz zusammen. Heute Morgen wusste ich in zehn Sekunden, dass ich zwei überfällige Tasks habe und mein Februar-Umsatzziel schon erreicht ist. Das hätte mich sonst drei verschiedene Tools und zehn Minuten gekostet.
Weekly Review. Freitags lasse ich mir eine Wochenreview geben. Stunden pro Kunde, fakturierbarer Wert, erledigte und verschobene Tasks. Das Plugin sagt mir auch, wenn ich die ganze Woche nur Kundenarbeit gemacht und nichts für mein eigenes Business getan habe. Das ist der Teil, den ich alleine gerne verdränge.
E-Mails und Proposals. Claude kennt jetzt meine Kunden und wie ich schreibe. Wenn ich eine E-Mail an einen Kunden verfasse, klingt sie nach mir. Vorher klang alles nach generischem ChatGPT-Deutsch, egal wie oft ich "schreib lockerer" in den Prompt geschrieben habe.
Call-Vorbereitung. Vor einem Kundencall tippe ich /call-prep, und Claude fasst mir zusammen, was wir zuletzt gemacht haben, welche Tasks offen sind und was besprochen werden sollte. Kein hektisches Tab-Wechseln fünf Minuten vor dem Call mehr.
Wofür man Plugins noch einsetzen kann
Mein Plugin bildet meinen Alltag als Solo-Founder ab. Aber die Möglichkeiten gehen weit darüber hinaus. Ein paar Ideen, die mir beim Bauen gekommen sind:
Onboarding-Assistent. Stell dir vor, du stellst jemanden ein und hast ein Plugin, das alle internen Prozesse, Tools und Ansprechpartner kennt. Neuer Mitarbeiter fragt Claude, Claude antwortet mit euren Regeln. Kein Confluence-Wiki, das niemand liest.
Sales-Co-Pilot. Ein Plugin, das deine Preisstaffel, typische Einwände und Kundenreferenzen kennt. Du gibst eine Anfrage rein, und es erstellt dir ein Proposal, das auf den Kunden zugeschnitten ist — mit den richtigen Case Studies und Zahlen.
Support-Plugin für Agenturen. Skills für Ticket-Triage, Kunden-Kommunikation und Eskalationsregeln. Statt dass jeder Mitarbeiter seinen eigenen ChatGPT-Prompt pflegt, gibt es ein zentrales Plugin mit dem gesamten Wissen der Agentur.
Buchhaltungs-Plugin. Zeiterfassung reviewen, Rechnungsdaten vorbereiten, Umsatz gegen Jahresziel tracken. Ich hab das für mich schon eingebaut, aber für eine Agentur mit mehreren Mitarbeitern wird das richtig spannend, weil du pro Projekt und pro Mitarbeiter auswerten kannst.
Content-Maschine. Ein Plugin, das deine Brand Voice, Zielgruppen-Definitionen und Format-Vorgaben kennt. Du gibst ein Thema ein, und es spuckt dir einen Blog-Artikel, LinkedIn-Post und ein Video-Script aus — alles in deiner Tonalität, alles aufeinander abgestimmt.
Das Muster ist immer dasselbe: Du nimmst Wissen, das bisher in deinem Kopf oder verstreut in Dokumenten liegt, schreibst es in einen Skill, und machst es für Claude verfügbar. Ab dann musst du es nie wieder erklären.
Was mich überrascht hat
Ich hatte erwartet, dass das Plugin-Bauen hauptsächlich Prompt-Engineering ist. War es auch, aber der schwierigere Teil war ein anderer: meine eigenen Prozesse aufschreiben.
Wie schreibe ich eigentlich E-Mails? Was checke ich morgens wirklich als Erstes? Welche Infos brauche ich für ein gutes Proposal? Ich musste das alles mal explizit formulieren, statt es einfach aus dem Bauch zu machen.
Das war anstrengend, aber nützlich. Ich hab jetzt eine Dokumentation meiner eigenen Arbeitsweise. Das hatte ich vorher nicht. Und allein das ist schon wertvoll, unabhängig von der AI.
Für wen das interessant ist
Wenn du Freelancer, Consultant oder eine kleine Agentur bist und Claude regelmäßig nutzt, schau dir Plugins an. Vor allem, wenn du wiederkehrende Abläufe hast: Wochenberichte, Kunden-Updates, Rechnungsvorbereitung, Call-Vorbereitung, Content.
Du brauchst kein technisches Vorwissen. Du musst wissen, wie du arbeitest, und das in Worte fassen können. Den Rest macht Markdown.
Wenn du Fragen hast oder wissen willst, wie so ein Plugin aufgebaut ist: schreib mir. Ich baue gerade auch Plugins für Kunden — wenn du Interesse hast, lass uns reden.
joshua@pipewave.de oder direkt über das Kontaktformular auf pipewave.de
Joshua Kresse ist Gründer von Pipewave UG. Pipewave automatisiert Marketing- und Vertriebsprozesse für Startups und B2B-Unternehmen.
